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Krankheitsmonitorings

Gesundheitsstatus Feldhase

Leittierarten als Indikatoren für eine nachhaltig genutzte Landschaft

Die Veränderungen der Agrarstrukturen in den letzten Jahren haben zu einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt geführt. Maßnahmen zur Optimierung von Lebensräumen sind für Arten der Agrarlandschaft, wie Feldhase, Fasan und Rebhuhn, dringend erforderlich.

Die Streckenzahlen des Feldhasen befinden sich seit Jahren auf dem „Sinkflug“. Diesem Negativtrend muss auf den Grund gegangen werden. Für die Ursachenforschung ist es erforderlich, eine ganze Reihe von Einflussfaktoren wie Flächennutzung, Witterung und Prädation zu beleuchten, aber auch den Gesundheitsstatus von Populationen zu erfassen. 

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Krankheitsmonitorings

Monitoring Gesundheitsstatus Feldhase

Zur Erfassung des Gesundheitsstatus´ bei bayerischen Feldhasen sind Erhebungen aus ganz Bayern dringend erforderlich. Um einen Überblick über die Gesundheit von Feldhasen in Bayern besser beurteilen zu können, hat der BJV zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vor einigen Jahren eine Monitoringstudie initiiert, in deren Rahmen notgetötete/erlegte Feldhasen sowie Totfunde einer umfassenden Untersuchung zugeführt werden. Neben einer allgemeinen pathologisch-anatomischen Untersuchung werden bakteriologische, virologische und parasitologische Untersuchungen durchgeführt. Anschließend wird Probenmaterial asserviert, um zu einem späteren Zeitpunkt ggf. auf Umweltgifte testen zu können.

Bitte unterstützen Sie unser nun bereits seit einigen Jahren laufendes Projekt, in dem Sie erlegte Tiere, aber auch Totfunde an das LGL in Oberschleißheim oder Erlangen einsenden bzw. dort abliefern.

Da jede Probe wertvolle Hinweise liefern könnte, bitten wir um die Abgabe/Einsendung von Tieren/Untersuchungsmaterial nach Möglichkeit aus ganz Bayern.

Um einen Eindruck von der Konstitution eines Tieres zu bekommen, wäre es sehr wichtig, den ganzen Tierkörper zur Untersuchung zu geben. Da leider keine Vergütung möglich ist, und wir natürlich um das Erlebnis eines Bratens aus einem frisch erlegten Tier wissen, ist es auch möglichnur die Organe plus Kopf einer Untersuchung zuzuleiten. Das Personal der Pathologie bittet jedoch darauf zu achten, dass Organproben nicht zu sehr gequetscht werden. Ein Transport in einem verschließbaren und wasserdichten Plastikgefäß wäre hierbei hilfreich.

Optimal wäre es natürlich, wenn Sie die Möglichkeit hätten, die Tierkörper bzw. die Organproben direkt an den zwei Untersuchungseinrichtungen zu den angegebenen Zeiten (siehe Rückseite Einsendeschein) abzugeben. Die Untersuchungen sind für Sie kostenlos. Bei einem Versand bitten wir Sie, die Versandkosten zu übernehmen.

Generell sollte man das Untersuchungsgut vor dem Verpacken auskühlen lassen. Im Anschluss muss, sowohl bei persönlicher Abgabe als auch beim Versand, darauf geachtet werden, dass das Probenmaterial so verpackt wird, dass nichts von dem Inhalt nach außen gelangt.

Die Verpackung, bestehend aus drei Bestandteilen, soll folgende Bedingungen erfüllen:

– eine wasserdichte Primärverpackung (z.B. Gefrierbeutel)

– eine wasserdichte Sekundärverpackung

– eine ausreichend feste Außenverpackung.

Der Versand sollte am besten gekühlt (z.B. mit Kühlakkus) erfolgen. In Ausnahmefällen, z.B. bei fortgeschrittenen Grad der Verderbnis, ist ein Versand im gefrorenen Zustand möglich.

Bitte verschicken Sie die Proben nach Möglichkeit nicht an einem Freitag. Die Proben können aber direkt beim LGL zu den angegebenen Öffnungszeiten abgegeben werden.

Auch bei der direkten Überbringung von Proben an das LGL ist es erforderlich, diese entsprechend zu verpacken, um den Personenschutz innerhalb des LGL zu gewährleisten.

Für eventuell eintretende Schäden durch Nichtbeachten der Verpackungsvorgaben (nachzulesen in den Richtlinien von Dt. Post, DHL und anderen Kurierunternehmen) trägt der Absender grundsätzlich die haftungsrechtlichen Folgen.

Dem Untersuchungsmaterial muss ein vollständig ausgefüllter Einsendeschein beigelegt werden. Nach dem Abschluss der Untersuchungen wird Ihnen das Ergebnis vom LGL mitgeteilt. Ebenso erhält der BJV eine Kopie des Einsendescheins sowie des Ergebnisberichtes für unsere Auswertungen. Einen Ergebnisbericht zum jeweiligen Untersuchungsjahr veröffentlicht der Verband in seinen Fachmedien, der JiB und/oder im Rahmen eines Landesjägertages.

Wenn Sie Fragen zu dem genannten Monitoring haben, können Sie sich gerne an die Geschäftsstelle, Frau Dr. Claudia Gangl, Tel.: 089/990234-14 oder per Email: claudia.gangl@jagd-bayern.de, wenden.

Wir bedanken uns für Ihre tatkräftige Unterstützung.

Feldhasen-Monitoring

Untersuchung von Feldhasen am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Quelle u.a. LGL-Homepage)

In Bayern wird das Hasenpestgeschehen vom LGL seit 2007 verfolgt, seit 2012 besteht darüber hinaus auch eine Kooperation des LGL mit dem Bayerischen Jagdverband in Form eines sog. Feldhasenmonitorings – Überprüfung des Gesundheitszustandes von Feldhasen. Bei den dem LGL zur Untersuchung überlassenen Feldhasen steht die Erforschung infektiöser Krankheits- bzw. Todesursachen im Vordergrund.

Feldhasen-Monitoring: Erkenntnisse seit Beginn der Untersuchung

Dr. Matthias Müller

Die Feldhasenpopulation in Deutschland ist in den letzten 50 Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Neben klimatischen Veränderungen beeinflussen auch Faktoren wie der Rückgang an Äsungs- und Deckungsmöglichkeiten – etwa durch die Ausweitung von Gewerbe- und Wohnflächen sowie die Intensivierung der Landwirtschaft – den Bestand. Zudem spielen der zunehmende Straßenverkehr und möglicherweise auch Krankheiten eine Rolle bei diesem Rückgang.

Seit Oktober 2012 arbeitet das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gemeinsam mit dem Bayerischen Jagdverband an einem Feldhasen-Monitoring. Bis Ende 2024 wurden im Rahmen dieser Untersuchung 1032 verendete oder klinisch auffällig erlegte Hasen am LGL pathologisch sowie mikrobiologisch und parasitologisch untersucht; gesund erlegte Tiere oder solche, die nur in Teilen eingesandt wurden oder aufgrund fortgeschrittener Zersetzung nicht mehr beurteilbar waren, wurden dabei nicht berücksichtigt. Ziel ist es, herauszufinden, welche Krankheiten bei den Feldhasen besonders häufig auftreten und ob sie den Rückgang der Population beeinflussen.

Besonderes Augenmerk liegt auf Infektionskrankheiten, vor allem auf Zoonosen – also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Zu den wichtigsten Zoonosen beim Feldhasen zählen die Brucellose und die Tularämie. Im Folgenden werden diese Krankheiten sowie weitere festgestellte Erkrankungs- und Todesursachen näher erläutert (siehe Abbildung).

Wichtige Zoonosen bei Feldhasen: Tularämie und Brucellose

Die Tularämie, auch bekannt als Hasen- oder Nagerpest, wird in Bayern durch das Bakterium Francisella tularensis subspecies holarctica verursacht. Im Rahmen des Monitorings wurde die Krankheit bei 312 Hasen nachgewiesen und gilt damit als häufigste Todesursache bei den untersuchten Tieren. Die Nachweise zeigen über die Jahre hinweg nur geringe Schwankungen um einen Durchschnittswert von etwa 30 %. Die Erkrankung wurde bislang in 51 Landkreisen, 8 kreisfreien Städten und in allen Regierungsbezirken Bayerns festgestellt (siehe Abbildung). Typische Befunde sind eine stark vergrößerte Milz und Gewebsuntergänge in den Lymphknoten (siehe Abbildungen). Aufgrund des akuten Krankheitsverlaufs treten selten chronische Formen mit Abszessen in den Organen auf. Milzschwellungen können auch bei anderen Krankheiten wie Pseudotuberkulose, Pasteurellose oder Amyloidose vorkommen, weshalb eine genaue Diagnose wichtig ist. Für den Menschen treten Infektionen vor allem im Spätsommer und Herbst auf und äußern sich meist durch grippeähnliche Symptome oder geschwürartige Veränderungen an der Eintrittsstelle mit geschwollenen regionären Lymphknoten.

Während die Tularämie in Bayern weit verbreitet ist, wurden Brucellose-Fälle beim Feldhasen bisher nur vereinzelt in Süddeutschland festgestellt (insgesamt 9 Fälle, 0,9%). Erreger ist Brucella suis Biovar 2, der gelegentlich auch bei Wildschweinen vorkommt. Brucellosefälle beim Schwarzwild wurden in Nordbayern in einigen Landkreisen nordwestlich von Nürnberg festgestellt. Bei den Tieren verursachen Brucellen chronisch eitrige Entzündungen und Granulome in den Geschlechtsorganen und anderen inneren Organen wie Leber, Milz, Lymphknoten und Lunge (Abbildungen). Feldhasen und Wildschweine dienen als Reservoir für diese Bakterien und können den Erreger auf Hausschweine übertragen. Bei Menschen sind Brucellose-Fälle in Deutschland meist auf den Verzehr von Rohmilchprodukten aus südlichen Ländern (z. B. Mittelmeerraum, arabische Halbinsel, Mittlerer Osten, Afrika und Südamerika) zurückzuführen, wo die Erreger der Ziegenbrucellose (Brucella melitensis) noch verbreitet sind.

Weitere bakterielle Infektionskrankheiten

Neben der Tularämie und Brucellose sind auch andere bakterielle Krankheiten bei Feldhasen von Bedeutung. Besonders häufig wurde die Pseudotuberkulose (auch Yersiniose oder Rodentiose genannt) festgestellt, die bei 151 Tieren (15 %) auftrat und damit die zweithäufigste bakterielle Erkrankung ist. Der Erreger Yersinia pseudotuberculosis ist in der Umwelt weit verbreitet und wird hauptsächlich über das Futter aufgenommen. Nagetiere und Vögel dienen als natürliche Reservoire für das Bakterium. Bei der Untersuchung zeigen die Hasen eitrige bis granulomatöse Entzündungsherde in verschiedenen inneren Organen (siehe Abbildungen). Yersinien können auch auf den Menschen übertragen werden, wobei die meisten Yersiniose-Fälle beim Menschen auf Yersinia enterocolitica zurückgehen. Seltene Fälle beim Menschen entstehen meist durch den Verzehr rohen Gemüses.

Außerdem wurden bei 79 Tieren (8 %) Atemwegserkrankungen festgestellt. Die Hauptverursacher sind Bakterien, vor allem Pasteurella multocida, die die sog. Pasteurellose auslösen. In letzter Zeit werden auch vermehrt Mannheimia granulomatis nachgewiesen. Erkrankte Tiere zeigen oft fleischig verdickte Lungen, manchmal mit weißgelben Belägen.

Diese Infektionskrankheiten treten vor allem bei abgemagerten, durch Parasiten geschwächten Tieren auf, insbesondere in nasskalten Jahreszeiten, wenn Nahrung knapp ist. Deshalb wurden die meisten Fälle von Tularämie, Pseudotuberkulose und Pasteurellose im Frühjahr und Herbst beobachtet. Brucellose-Fälle treten dagegen überwiegend im Spätherbst und Winter auf.

Virusinfektionen

Das European Brown Hare Syndrome (EBHS) wird durch ein Calicivirus verursacht und wurde bei 91 Tieren (9 %) als Hauptbefund festgestellt. Die Erkrankung tritt vor allem in Nordbayern in den Herbstmonaten auf. EBHS betrifft sowohl Feld- als auch Schneehasen, aber ist nicht gegenseitig übertragbar. Es ist mit dem Virus der Chinaseuche (Rabbit Haemorrhagic Disease) bei Kaninchen verwandt. Das Virus wurde erstmals in den 80er Jahren in Schweden entdeckt und ist inzwischen in ganz Europa verbreitet. Makroskopisch sind keine eindeutigen Veränderungen sichtbar, jedoch zeigen feingewebliche Untersuchungen ausgedehnte Leberzelluntergänge.

Fälle von Myxomatose (Kaninchenpest) bei Feldhasen, die in jüngster Zeit in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen beobachtet wurden, sind in Bayern bislang nicht aufgetreten. Bei Kaninchen führt die Myxomatose zu Haut- und Schleimhautschwellungen an Ohren, Augenlidern, Nase, Lippen und Geschlechtsöffnungen. Der Erreger ist ein Pockenvirus (Myxomavirus), das erstmals 2018 in Spanien und Portugal aufgetreten ist.

Parasitosen

Endoparasiten sind bei den meisten untersuchten Feldhasen nachweisbar und wurden in 109 Fällen (11 %) als Hauptursache für den Tod festgestellt, wenn keine weiteren Erkrankungen vorlagen. Parasiten sind häufig mit Abmagerung verbunden und gelten als Wegbereiter für andere Infektionskrankheiten, insbesondere bei jungen Tieren. Am häufigsten wurden parasitäre Einzeller im Darm, sogenannte Kokzidien, sowie ein Befall mit Magen-Darm- und Lungenwürmern entdeckt. Letztere können zu auffälligen weißen bis grünlichen Brutherden in den Lungen führen, die auch bei ansonsten gesunden Tieren auftreten (siehe Abbildung).

Eine besondere Endoparasitose ist die Toxoplasmose, verursacht durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii. Feldhasen sind wie viele andere Tierarten Zwischenwirte, Katzen sind die Endwirte. Bei geschwächter Abwehrlage kann es zu einer raschen Vermehrung des Erregers in verschiedenen Organen kommen. Die Diagnose erfolgt durch feingewebliche und molekularbiologische Untersuchungen. Typische makroskopische Veränderungen sind eine Milzschwellung und Gewebseinschmelzungen in den Darmlymphknoten, was der Tularämie ähnelt. Toxoplasmose ist eine Zoonose, die beim Menschen durch Kontakt mit Katzenkot, unzureichend gewaschenes Gemüse oder rohes Fleisch, vor allem Schweinefleisch, übertragen werden kann. Besonders schwangere Frauen, die keine Antikörper gegen den Erreger haben, sind gefährdet, da die Infektion Missbildungen beim ungeborenen Kind verursachen kann. Feldhasen dürften in diesem Zusammenhang jedoch keine Rolle spielen.

Weitere Erkrankungs- und Todesursachen

Eine Erkrankung, die bei den meisten Tieren selten, beim Feldhasen jedoch gehäuft auftritt, ist die Amyloidose. Bei 23 Tieren (2 %) wurde diese Stoffwechselstörung festgestellt. Sie entsteht unter anderem im Zuge chronischer Infektionen und führt zur übermäßigen Produktion und Ablagerung von abnorm geformtem Eiweiß, das aufgrund seiner besonderen Struktur nicht mehr abgebaut werden kann. Dies beeinträchtigt die Funktion der betroffenen Organe, vor allem in Niere, Milz und Leber. Diese Organe können vergrößert sein und eine wachsartige Schnittfläche aufweisen (siehe Abbildung).

Bei 81 Tieren (8 %) konnten Diagnosen gestellt werden, die keiner der genannten Krankheiten zugeordnet werden konnten. Dabei handelte es sich um Infektionen mit selteneren Erregern wie Listerien oder Salmonellen, chronische Organkrankheiten mit unklarer Ursache oder sporadische Erkrankungen wie Tumore (siehe Abbildung). Neben den Krankheiten spielen Verletzungen als Todesursache eine wichtige Rolle: In 135 Fällen (13 %) wurde ein stumpfes Trauma diagnostiziert, wahrscheinlich durch Kollisionen mit Fahrzeugen.

Fazit und Empfehlungen für Jäger

Die Untersuchungsergebnisse der bislang eingesandten Proben zeigen, dass bestimmte Infektionskrankheiten bei Feldhasen gehäuft auftreten, insbesondere die Tularämie. Diese Erkrankung wurde bislang bei anderen Tierarten am LGL nur einmal bei einem Eichhörnchen nachgewiesen. Aufgrund der hohen Fallzahlen ist davon auszugehen, dass die Hasenpest bei ungünstigen Bedingungen regional zu einem vorübergehenden Rückgang der Hasenbestände führen kann. Überregional dürften die eingangs genannten Umweltfaktoren jedoch von deutlich größerer Bedeutung sein.

Angesichts des häufigen Vorkommens von Francisella tularensis, aber auch zum Schutz vor weiteren Erregern mit Zoonosepotential, wird der Jägerschaft empfohlen, beim Umgang mit toten Feldhasen stets Handschuhe und gegebenenfalls eine Schutzmaske der Klasse FFP2 zu tragen.

Ein herzliches Dankeschön an alle engagierten Jäger, die regelmäßig kranke oder verendete Hasen an das LGL einsenden! Nur durch diese Unterstützung kann das Monitoring fortgesetzt werden. Wir bitten weiterhin darum, die Tierkörper bei den zuständigen Veterinärämtern oder direkt beim LGL abzugeben.

Kontaktdaten LGL

Nordbayern: Probenannahme Erlangen

Adresse: Eggenreuther Weg 43, 91058 Erlangen

Annahmezeiten:

Mo-Do 7-15 Uhr

Fr 7-12 Uhr

Sa 9-11.30Uhr

Email: patho-erlangen@lgl.bayern.de

Telefon: 09131-6808-2613

 

Südbayern: Probenannahme Oberschleißheim

Adresse: Veterinärstraße 2 (Einfahrt Sankt-Hubertus-Straße), 85764 Oberschleißheim

Annahmezeiten:

Mo-Do 8-16:30 Uhr

Fr 8-14:30 Uhr

Sa 9-12Uhr

Email: patho-oberschleissheim@lgl.bayern.de

Telefon: 09131-6808-5323


Abbildung

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Krankheitsmonitorings

Tuberkulosemonitoring Rotwild Bayern

Intensives nationales Überwachungsprogramm

Seit 2009 wurde bei Rothirschen im österreichischen oberen Lechtal und im angrenzenden bayerischen Oberallgäu vermehrt Tuberkulose nachgewiesen. Die am LGL isolierte Erregerspezies aus Rinder- und Rotwildproben konnte molekularbiologisch als Mycobacterium caprae (M. caprae) charakterisiert werden.

Nachdem man von einem „Erregeraustausch“ zwischen Rindern und Rotwild ausgehen muss, wurden nicht nur alle rinderhaltenden Betriebe überwacht, sondern auch ab 2011 ein intensives nationales Überwachungsprogramm beim Rotwild entlang der Alpenkette begonnen, um das Vorkommen und die Verbreitung von Tuberkuloseerregern herauszufinden. In Zusammenarbeit mit dem bayerischen Jagdverband (BJV), Revierinhabern und Jagdausübungsberechtigten untersucht das LGL seither nach einem jährlich festgelegten Stichprobenschlüssel, orientiert am geschätzten Rotwildvorkommen im bayerischen Alpenraum, Proben von erlegten Tieren pathologisch-morphologisch. Verdächtiges Gewebe wird molekularbiologisch und kulturell auf das Vorkommen von Mykobakterien abgeklärt.

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TBC-Monitoring bei Rotwild Antrag zur Auszahlung der Aufwandsentschädigung (PDF-Datei)

Untersuchungsergebnisse 2011-2017

Seit Beginn des Programmes in der Jagdsaison 2011/12 untersuchte das LGL bis Ende der Jagdsaison 2017/18 Proben von über 5000 Stück Rotwild aus dem bayerischen Alpenraum.

Während in den ersten Jagdjahren im Rahmen des Monitorings Rotwild im gesamten alpennahen Raum auf Tuberkulose untersucht wurde, konzentrierte man sich nachfolgend vor allem auf solche Gebiete, die eine höhere Prävalenz des Erregers („Vorkommenshäufigkeit“) aufwiesen, auch, um die Prävalenzentwicklung in diesen sogenannten „Hot-Spot-Gebieten“ im Auge zu haben.

Durch die Untersuchungen wurde Rotwild im Alpenraum als Reservoir für M. caprae identifiziert. Der Kontakt zwischen Rindern und Rothirschen auf Alm- und Alpweiden spielt vermutlich eine entscheidende Rolle im Übertragungszyklus zwischen den Spezies, auch wenn der Infektionsweg der Mykobakterien (“wer gibt es wem“) nicht eindeutig festgelegt werden kann.
Im Rahmen des Rotwildmonitorings konnte M. caprae im Allgäu sowie im Karwendelgebirge lokalisiert werden. Diese Regionen wurden als „Hot spots“ klassifiziert. Man fand heraus, dass es sich wohl um ein regional begrenztes Infektionsgeschehen handelt und in diesen Regionen sowohl innerhalb der Rotwildpopulation und in den Rinderherden als auch zwischen Rind und Rotwild der Erreger „ausgetauscht“ bzw. weitergegeben wird. Eine Verbreitung über weitere Distanzen scheint keine Rolle zu spielen.

„Tbc-Monitoring Rotwild“ in Bayern

In Zusammenarbeit mit dem BJV, den Revierinhabern und den Jagdausübungsberechtigten untersucht das LGL seit fast 10 Jahren nach einem jährlich festgelegten Stichprobenschlüssel. Dieser Schlüssel orientiert sich am geschätzten Rotwildvorkommen im bayerischen Alpenraum. Aus drei definierten Regionen werden Proben von erlegten Tieren zunächst pathologisch-morphologisch begutachtet, nachfolgend wird verdächtiges Gewebe molekularbiologisch und kulturell auf das Vorkommen von Mykobakterien untersucht.

Übersicht Regionen und Verteilung Probenkontingente

Region 1: Oberallgäu, Ostallgäu

Region 2: Weilheim-Schongau, Bad-Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen

Region 3: Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land

Neben der Abschätzung der Erregerprävalenz zeigten die Untersuchungen auch, dass es sich um regional begrenzte Infektionsgeschehen handelt. In diesen sogenannten Hotspot-Regionen konnte der Erreger sowohl innerhalb der Rotwildpopulation als auch in Rinderherden nachgewiesen werden. Auf Alm- und Alpweiden muss deshalb von einem Erregeraustausch  zwischen Rind und Rotwild ausgegangen werden, wobei der Infektionsweg der Mykobakterien (“wer gibt es wem“) bisher nicht eindeutig festgelegt werden konnte.

Untersuchungsergebnisse 2018-2021

Jagdsaison Probenzahl Rothirsch Zahl der Nachweise von M. caprae/M. bovis Herkunft positiver Proben (nach Landkreisen)
2018/2019 468 1 GAP (1)
2019/2020 475 5 OA (1) OAL (1) TÖL (3)
2020/2021 468 4 OA (3) WM (1)

Trotz der rückläufigen Tuberkulosesituation in den vergangenen vier Jahren wird an der Fortführung des Monitorings durch das Umweltministerium festgehalten, um auch weiterhin frühzeitig mögliche Änderungen (Anstieg) der Tbc-Prävalenz in der Rotwild-Population zu erkennen und darauf reagieren zu können.

Die Jägerschaft wird gebeten, bei der Probennahme darauf zu achten, dass auffälliges Probenmaterial, z.B. vergrößerte Lymphknoten, Eiteransammlungen, sichtbare Veränderungen an Organen und Muskulatur, bzw. auch Wild, welches bedenkliche Merkmale bei der „Lebendbeschau“ aufwies, unbedingt einzusenden ist. Die Jägerschaft trägt eine große Verantwortung für den Verbraucherschutz.

Das Bayerische Rotwild-Monitoring wird mit einer „risikobasierten“ Probenahmepauschale in Höhe von 20 Euro je erlegtem und beprobtem Rotwild aus antragsberechtigten Landkreisen (die in den letzten Jahren positive Befunde hatten) aus Staatshaushaltsmitteln finanziert. Die Auszahlung erfolgt über den Bayerischen Jagdverband.

Die Erhaltung der großen Schalenwildart Rothirsch bei gleichzeitiger Achtung der Interessen der Grundeigentümer und Nutztierhalter ist eine der großen Herausforderungen der nahen Zukunft und eine Aufgabe, welche nur durch ein „Miteinander“ der einzelnen betroffenen Gruppen zu lösen ist.

Leberegelmonitoring (abgeschlossen)

Einzelheiten zum Leberegelmonitoring können Sie dem nachstehenden Bericht aus der Jagd in Bayern entnehmen

Leberegelmonitoring (PDF -Datei)

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ASP-Früherkennung und die Rolle der Jäger – Weiterführung des Totfund-Monitorings beim Schwarzwild in 2026

Die Untersuchung von totem oder „auffälligem“ Schwarzwild im Rahmen des so genannten ASP-Monitoring Wildschwein ist das A und O der Früherkennung einer Tierseuche. Diese Früherkennung ist im Ernstfall eine entscheidende Voraussetzung für die schnelle Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen. Das ASP-Fallwild- oder Totfund-Monitoring gewährleistet seit seiner Einführung 2017 konstant hohe Untersuchungszahlen verendet aufgefundener, verunfallter sowie auffällig erlegter Wildschweine.

Die Jägerinnen und Jäger waren dabei stets ein ganz entscheidender Faktor, und vor allem jetzt vor dem Hintergrund der Seuchengeschehen neben Brandenburg und Sachsen, in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, ist ihre Mithilfe mehr denn je gefordert.

Es gilt für die gesamte Gesellschaft wachsam und umsichtig zu agieren. Ganz besonders sind die Jägerinnen und Jäger angehalten, ihren Teil zur Tilgung der Seuche, zur Vermeidung der Verschleppung, aber auch zum Aufspüren etwaiger neuer Seuchenherde beizutragen.

Auch wenn Bayern von der ASP bisher nicht direkt betroffen ist und auch keinen direkten tierseuchenrechtlichen Einschränkungen unterliegt, ergeht die eindringliche Bitte der Veterinärbehörden an die Jägerschaft, die Totfundsuche auch in 2026 aktiv zu betreiben und  so viele tot aufgefundene oder krank erlegte Wildschweine wie möglich zu melden und beproben zu lassen, um einen eventuellen Seuchenausbruch sofort zu erkennen. Weiterhin ist es von großer Bedeutung, dass bei der Meldung von Wildschweinkadavern bzw. bei deren Beprobung, der Fundort möglichst genau bestimmt wird. Nur bei genauer Kenntnis des Fundortes können im Seuchenfall angemessene Maßnahmen durch die zuständigen Veterinärämter ergriffen werden.

Oberste Priorität in unserem Land hat nun die Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Infektionsgeschehens und der Verhinderung eines Übergreifens auf Nutz- und Hausschweine. Es ist daher von ungeheurer Wichtigkeit, über ein funktionierendes „Frühwarnsystem“ für die ASP in Form von Monitoring-Programmen die Ein- und Verschleppung der Seuche zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu entdecken, um sofort entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können und das Ausbruchsgeschehen zu begrenzen.

Folgende Monitoring-Programme bei Wildschweinen werden durchgeführt:

In Deutschland wurden in den letzten Jahren verschiedene Monitoringprogramme zur Früherkennung eines Erregereintrages in die Tierpopulationen aufgebaut. Rechtsgrundlage für die Monitoringuntersuchungen stellt neben der Schweinepest-Verordnung die Verordnung zur Durchführung eines Monitorings auf das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) und der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wild- und Hausschweinen (Schweinepest-Monitoring-Verordnung – SchwPestMonV) dar.

Serologisches Monitoring bzw. aktives Monitoring

Das aktive Monitoring wird auch „Jagdmonitoring“ genannt. Nach wie vor werden Blutproben gesund erlegter Wildschweine sowie von Hausschweinen auf Antikörper gegen das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) sowie Antikörper gegen das Aujeszky-Virus (AK) untersucht. Hier stehen die Veterinärämter mit der Jägerschaft in Kontakt.

„ASP-Monitoring Wildschwein“

Das A & O bei der Früherkennung einer Tierseuche für die nachfolgende rasche Umsetzung von Bekämpfungsmaßnahmen ist die Untersuchung von totem oder „auffälligem“ Schwarzwild im Rahmen des sogenannten ASP-Monitoring Wildschwein, auch als passives Monitoring bezeichnet. Es ist wichtig, dass vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Seuchensituation so viele tot aufgefundene Wildschweine bzw. krank erlegte Tiere wie möglich beprobt werden, um einen eventuellen Seuchenausbruch sofort zu identifizieren.

Aufgrund der „Aggressivität“ des kursierenden ASP-Virusstammes versterben infizierte Tiere in der Regel noch bevor die Bildung von Antikörpern bei ihnen einsetzt. Aus diesem Grund richtet sich der Focus der Untersuchungen zum „Aufspüren“ des Erregers der Afrikanischen Schweinepest auf den Nachweis von vorhandenem Virusgenom (über Blut, Bluttupfer, Organproben) anstelle eines Nachweises von Antikörpern im Blut. Aufgrund der großen Widerstandsfähigkeit des ASP-Erregers ist Virusmaterial auch noch in verwesenden Tierkörpern nachweisbar.
Im Fokus stehen daher im „Totfund-Monitoring“ verendet aufgefundene sowie im Rahmen der Jagd erlegte Wildschweine, die klinisch auffällig waren oder bei denen pathologisch-anatomische Veränderungen festgestellt wurden, und Unfallwild. Selbst verwesende oder bereits verweste Tiere sind für das Monitoring nützlich.

Das aktuelle bayerische Überwachungsprogramm sieht vor, dass sämtliche tot aufgefundene Wildschweine (auch krank erlegte und Unfalltiere) in Bayern auf ASP- und KSP-Virusgenom über Organproben bzw. Bluttupfer untersucht werden. Unfallwild wird ausdrücklich miterfasst.

Die Beprobung mit „Probenbesteck“, welches über die Veterinärbehörde oder das LGL bezogen werden kann, braucht nicht in Eigenregie vorgenommen werden, sie kann durchaus auch durch die Behörde selbst erfolgen. Das Vorgehen ist am besten mit den Veterinärämtern abzustimmen.

Die Beprobung der Kadaver kann direkt am markierten Fundort erfolgen. Damit der Kadaver wiedergefunden werden kann, soll der Auffinder eine möglichst präzise Angabe über den Fundort durchgeben. Der Verbleib des Kadavers, der Abtransport und Desinfektionsmaßnahmen sind ebenfalls mit der Behörde zu besprechen.

Um die Freiwilligkeit zu fördern und die Jäger für ihre Mühen ein wenig zu „entschädigen“, erhalten Jäger für die Einleitung der Beprobung bei verendet aufgefundenen Wildschweinen (auch nach einem Unfall) eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro Tier aus der Staatskasse. Die Auszahlung erfolgt über den Bayerischen Jagdverband. Der Stempel des Veterinäramtes dient als Nachweis.

ASP – Monitoring – Wildschwein Einsendeschein (PDF-Datei)

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85622 Feldkirchen

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